John Asht – Ein Mann, leere Worte

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So, nachdem ich gestern Abend irgendwie müder war als gedacht, hab ich mich nun doch nicht mehr zu einem deutschen Beitrag aufraffen können (zehn Stunden Exkursion sei Dank; allerdings durften wir uns nach Lust und Laune durch einen Container mit für’s Altpapier bestimmten Büchern wühlen, das hat mich ein bisschen für den Regenspaziergang entschädigt…). Den gibt’s dafür jetzt zum Frühstück. Also, jedenfalls frühstückte ich gerade. Aber Studenten dürfen sowas ;)

 

Womöglich hat der eine oder andere das schon mitbekommen, ist alles schon im Dezember passiert, aber ich hab erst jetzt davon gelesen (danke, Klopfer, für deinen Beitrag zum literarischen Suizid.

Der titelgebende Spaßvogel des Tages ist der Autor John Asht. Herr Asht schreibt allem Anschein nach das, was jeder, der mal ein Buch dieses Genres in der Hand hatte, weitestgehend als “Fantasy” bezeichnen würde. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich von seinen Werken nur eine Leseprobe kenne, die mich alles andere als vom Hocker gehauen hat. Das hier ist also keine Form qualifizierter Buchkritik, du kannst deinen Anwalt also an der Leine lassen, Asht.)

Aber nein, haltet ein! Keineswegs handelt es sich dabei um schnöde Fantasy! Vielmehr handelt es sich um “phantastische Literatur”, die so gehoben ist, dass man ihr als Durchschnittsleser allenfalls zuwinken, sie aber niemals verstehen kann. (Wobei man hier beachten sollte, dass man beide Genres auf keinen Fall voneinander trennen kann; nicht mal die Literaturwissenschaft traut sich das bisher, und im Buchhandel wird sowieso alles unter “Fantasy” geführt.”

Der zugrundeliegende Kommentar Ashts hätte mich ja wieder mal auf die Palme bringen können mit der unterschwelligen Behauptung, alles, was nicht unter die Bezeichnung “Hochliteratur” fällt, ist gar keine Literatur und somit prinzipiell wertlos. Allerdings, ich hab es in der Tat geschafft mir anzugewöhnen, auf sowas nicht mehr zu reagieren; mit solchen Leuten kann man nicht reden, und es schont meine Nerven. Also einmal kurz (oder etwas länger) gelacht, und weiter geht’s.

Ich erkläre es kurz für die, die noch nicht davon gehört haben: Bloggerin Myriel schrieb kurz vor Weihnachten in ihrem Blog darüber, wie sie versucht hat, Ahsts “Twin-Pryx – Zwillingsbrut” zu lesen und nach 90 Seiten aufgab, weil ihr das Buch nicht gefiel. Sie kritisierte Plotlöcher und Schreibstil und schloss damit, dass das Buch in ihren Augen sehr schwerfällige Kost wäre und sie leider “kein einziges Indianer-Armband für unsere Dracula-Nachfahren vergeben” könne. Lies: 0/5 Sternen also.

Das wäre nicht weiter schlimm; schließlich darf jeder ein Buch (nicht zuende) lesen und erklären, wieso, weshalb, warum, und auch begründete schlechte Kritiken haben ihren Platz. Schließlich darf ja jeder seine Meinung sagen.

Wirklich? Nein, keineswegs! Es ist nämlich offenbar so, dass Herr Asht das Internet im Auge behält und Beiträge, die seine Person und/oder sein Werk betrffen, verfolgt. Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn nicht, ja, wenn er nicht die Kritikfähig eines Zehnjährigen zu haben schiene. Denn er reagiert nicht nur auf Myriels Post. Nein, er beginnt damit, ihr ob ihres geringen Alters und ihrer nicht-literarischen Vorlieben die Fähigkeit abzusprechen, ein Urteil über sein Buch abzugeben; dann gibt er ihr den liebevollen Rat, doch bei “ihren Elfen und Zwergen” zu bleiben, da es für mehr nicht reiche, und packt zu guter Letzt – wir ahnen es – zusammen mit seiner Verlegerin die Anwaltskeule aus. Rufmord und Wirtschaftskriminalität. Jippieh!

Denn wie es scheint hegt Herr Asht den Verdacht, im Internet gebe es eine großangelegte Verschwörung niederträchtiger, frustrierter Blogger, die alle keinen Deal mit einem “echten Verlag” bekommen konnten und die jetzt versuchen, sich durch ihn dafür zu rächen.

Moment, was?

Nein, ich hab diese Schlussfolgerung auch nicht verstanden. Abgesehen davon, dass ich mich durch die Leseprobe auf der Seite seines Verlags gekämpft habe und den starken Eindruck hatte, hier versucht sich Fabio in einem neuen Genre. Ja, ich gestehe, ich habe gelegentlich mal etwas von ihm in der Hand gehabt; allerdings fand ich die Bücher so schlecht geschrieben, dass ich nie weiter als 50 Seiten kam und stattdessen lieber nochmal die Ascotts gelesen habe. Woran man wunderbar erkennt, dass ich durchaus einen sehr hohen Anspruch an Literatur habe und deshalb überaus qualifiziert bin, fundierte Kritik-

Ach, ich hab jetzt keine Lust auf Grundsatzdiskussionen^^ Der Punkt ist, auch ich sehe keinen Grund, dieses Buch jemals käuflich zu erwerben und dann auch noch komplett zu lesen. Es mag ja Leute geben, die es mögen, und ja, es gibt die eine oder andere gute Idee. Das war es dann aber auch schon, zumindest für mich.

Nun haben wir ja hinlänglich gehört, dass diese Art von Kritik für Herrn Asht lediglich der aus Neid geborene Versuch ist, ihn als Autor zu diffamieren, weil man selbst es nicht drauf hat. An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz auf seine Bemerkung eingehen, nur “studierte Literaturkritiker” dürfen kritisieren: Asht gibt an, Ethnologie und Religionsgeschichte studiert zu haben, nicht aber Kreatives Schreiben. Heißt das jetzt, er darf eigentlich gar keine Bücher schreiben? Ich bin schockiert! (Übrigens habe ich das sehr wohl studiert; nach seiner Logik also bin ich in meiner Kritik an ihm unantastbar, weil ich in der literarischen Nahrungskette weiter oben stehe.)

Wir sind also allesamt neidisch. Aber es ist nicht nur das, nein es ist viel schlimmer! Die Masse der unstudierten Laienkritiker im Internet ist eine Gefahr für die Meinungsfreiheit!

Okay, was?! Ja, stimmt; Herr Asht sieht es als erwiesen an, dass Leute, die online freimütig ihre Meinung kundtun und sich dabei hinter Pseudonymen verstecken (ich heiße übrigens wirklich Ricarda, sehe aber nicht ein, wieso ich jedem meine Postanschrift rausrücken soll, wenn ich nichtmal im Telefonbuch stehe; man kann mir ja auch eine Email schicken) der Grund dafür sind, dass wir bald die Netzanonymität verlieren und die Regierungen fröhlich draufloszensieren werden. Ist ja jetzt nicht so, dass die internationalen Proteste unter Beteiligung tausender Blogger gegen SOPA und PIPA wirklich was gebracht hätten…

Alles in allem war dieses kleine Drama eine wunderbare Ein-Mann-Show (mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Off durch die Verlegerin) in Sachen “Wie schieße ich mir selbst ins Knie”. Asht hat sich mit seiner ziemlich kleinkarierten Reaktion auf Myriels Kritik für einen vermutlich nicht unbeträchtlichen Teil der Netzgemeinde als Pausenclown dargestellt und seine Reputation als ernstzunehmender Autor ziemlich gründlich in Stücke gerissen. Wer auf dem Schulhof ausgelacht wird, ruft seinen großen Bruder. John Asht ruft seinen Anwalt an. Das nenn ich mal erwachsen.

 

-Ricarda

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3 responses »

  1. Hi Ricarda, bin durch einen gewissen Blog auf deinen hier aufmerksam geworden und irgendwie hängen geblieben. Im übrigen hast du die ganze Geschichte super zusammengefasst und im Grunde das ausgesprochen, was ich mir selbst dazu gedacht habe. Naja… Ich hab mich auch noch weiter auf deiner Seite umgeschaut und muß dir ein absolut fettes Lob aussprechen für deine Fanfiction “Poison Prince”. Ich hab mich ernsthaft sehr amüsiert über diese “Parodie”, wenn ich das so ausdrücken darf. :D

    LG Anne

  2. Pingback: Ein Blog, ein Buch, eine Rezension und die Kunst mit Kritik umgehen zu können | konsensor.de

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