Ergebnissichtung des Asht-Experiments

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Okay, ich war eigentlich gerade auf dem Weg in die Federn, aber die paar Minuten habe ich jetzt noch :)

Hier mein Emailwechsel mit dem werten John Asht, dem Heiligen aller unterdrückten Autoren.  Also, nicht mein Heiliger jetzt, aber anscheinend der von “hunderten von Verlegern und Autoren”. Oder so ähnlich.

 

Einen wunderschönen guten Morgen, Herr Asht!

Jetzt weiß ich zwar nicht, ob er für Sie schön ist, oder ob diese Uhrzeit für Sie noch zum Morgen gehört, aber wen scheren derlei Banalitäten?

Sehen Sie, normalerweise würde ich nach ein paar Minuten des Amüsements nach Ihren Blogposts zu den Tagesgeschäften übergehen, aber langsam wird die Sache doch ein wenig bedenklich. Eine Verschwörung der Regierung gegen die notleidenden Kleinverlage? Wirklich?

Sie als Beteiligter sollten doch am allerbesten wissen, dass der Buchmarkt auf Wettbewerb beruht – und dabei geht es darum, wer das bessere Produkt hat. Es ist allgemein bekannt, dass Kleinverlage oft deswegen Kleinverlage sind und bleiben, weil Autoren, die das Potential hätten, durch einen Bestseller einen Verlag in die obere Liga der Geschäftswelt zu befördern, von größeren Verlagen mit besseren Konditionen abgeworben werden. Verständlich; wenn ich die Wahl hätte, aus Loyalität meine Miete nicht bezahlen zu können oder für meine Werke einen entsprechenden Lohn zu erhalten, brauche ich nicht lange überlegen, wofür ich mich entscheiden würde. Und es gibt genug talentierte Nachwuchsautoren, um die dabei womöglich entstehenden Lücken zu schließen.

Die von Ihnen beschriene “Rezi-Mafia” hat damit überhaupt nichts zu tun. In der Tat gibt es Millionen Leser, die darauf basierend ihre Kaufentscheidungen fällen – wie Sie tatsächlich sogar ganz richtig bemerkt haben. Dass die Rezensenten, deren Bewertungen wir lesen, von Großverlagen gekauft und bezahlt werden, ist dann aber vermutlich doch blanker Unsinn. Das ist gar nicht nötig. Wenn ein Buch gefällt, wird es gut bewertet und gekauft (oder umgekehrt) – wenn nicht, dann nicht. Wer eins und eins zusammenzählen kann, erkennt die Logik hinter dieser Aussage. Ich persönlich verlasse mich wesentlich lieber auf zehn Lesermeinungen, die bereits in solch geringer Anzahl ein vergleichsweise ausdifferenziertes Bild von einem Buch ermöglichen – im Vergleich eben mit einer einzigen Rezension eines Feuilletonisten. Diese Feuilletonisten haben leider ein paar Nachteile. 1. sind sie wesentlich weniger als die Blogger im Netz, bewerten daher auch weniger Bücher und nur in vielleicht einem von zehn Fällen auch ein Buch, das zu lesen ich überhaupt in Erwägung ziehen würde. 2. bewerten Sie in der Regel die sogenannte “Hochliteratur” – die aber von einem eher kleinen Anteil der Bevölkerung überhaupt gelesen wird (meiner Meinung nach, weil sie oft einfach zu bemüht, zu deprimierend, zu schlecht oder alles ist). Die große Nachfrage nach vom Feuilleton nicht rezensierter Literatur generiert in diesem Fall das Angebot der Rezensionen im Internet. Ein völlig normaler Vorgang in der freien Marktwirtschaft. Nicht immer generiert ein Angebot auch eine Nachfrage, nur weil es einfach da ist.

Folgen wir jetzt diesem Gedankengang, dann ist es nur logisch, dass Leser in die Bresche springen und sich die Mühe machen, ihre Leseeindrücke niederzuschreiben und zu veröffentlichen, damit andere Leser sich daran orientieren können. Ich betone, diese Rezensionen üben keinerlei Kaufzwang aus – ich entscheide immer noch aus freien Stücken, ob ich einem Ratschlag folge und kaufe oder eben nicht. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob der Rezensent “Literaturkritik” studiert hat (was in der Bundesrepublik meines Wissens nach gar kein Studiengang ist) oder nicht. Jemandem Urteilsvermögen und das Recht auf freie Meinungsäußerung abzusprechen, weil er nicht etwas studiert hat, was es so gar nicht gibt, halte ich für arg daneben. Übrigens, wenn wir _diesem_ Gedanken nachgehen, kommen wir zu folgender Parallele: Jemand, der nicht Literaturkritik studiert hat, darf nicht rezensieren – und jemand, der nicht kreatives Schreiben (ein echter Studiengang) studiert hat, darf keine Bücher schreiben. Interessant, finden Sie nicht?

Was ich mit diesem Sermon sagen möchte: Lassen Sie die Blogger in Frieden. Onlinerezensionen sind weder kriminell noch Teil einer Regierungsverschwörung. Und Bitte hören Sie auf damit, sich als Messias aller Autoren darzustellen. Eins ist nämlich sicher: Mein Messias sind Sie nicht.

 

Es grüßt,

Ricarda Tesch

PS: Ich hätte Ihr Buch auch dann nicht gekauft, wenn ich keine Rezension gelesen hätte – die ersten paar Seiten hätten mich hinlänglich abgeschreckt. Das haben Sie ganz alleine hingekriegt, werfen Sie das also nicht den armen Rezensenten vor.

 

Gut, vielleicht war ich ein bisschen sehr spitzfindig. Stellenweise. Oder auch öfter mal. Aber wäre das nicht die ideale Gelegenheit, meine laienhafte Auseinandersetzung mit seinen intellektuellen Höhenflügen auf liebenswerte Weise “besorgend” zu widerlegen?

Gucken wir mal, welche Antwort ich bekommen habe…

 

Frage: hat man sie schon seit langem wieder rausgelassen?
JOHN ASHT
Schriftsteller & Freier Journalist

 

…ja. Ganz genau. Das war absolut die Reaktion, die ich erwartet hatte.

(Nein, ehrlich. Halb das und halb einen Verriss meiner Email hinsichtlich der mangelnden literarischen Qualität und Nichtigkeit meiner Aussagen, weil ich zwei X-Chromosome habe und deshalb sowieso nicht für’s Denken gemacht bin.)

Leider habe ich mich dann zu ähnlich kindischem Verhalten hinreißen lassen…

 

 Antwort: Auf jeden Fall länger als Sie.
Ende der Beweisführung, dass manche Menschen einfach nicht kritik- oder diskussionsfähig sind.

Einen schönen Tag noch :)

 

Nicht wirklich viel erwachsener, aber ich war grade aufgestanden und hatte keine Lust, differenzierter zu antworten. Hat ihm aber wohl gereicht, zurück kam nämlich folgendes Kleinod:

 

Die Welt is soooo schön bunt...

die Welt ist bunt – und ihre Farben werden von Blumen entlassen (daher die Frage), prallel mit dem Duft und dem Lockruf für Schmetterlinge.

Da sie aber meine Art zu schreiben, eh nicht mögen, und auch von ACTA und dem diesbezüglichen Regierungszögern keine Ahnung zu haben scheinen, wüsste ich nicht, wieso wir uns überhaupt noch gegenseitig auf den Nerv gehen sollten?! Sie kaufen meine Bücher nicht – und ich schreibe nur meinen Fans. Damit wäre doch alles geklärt, oder?

Leben Sie wohl, Lady!
JOHN ASHT
Schriftsteller & Freier Journalist

 

Ja. Das Bild war wirklich dabei. Abgesehen von den teilweise augenkrebserregenden Schreibfehlern (so viele Tippfehler kann man nüchtern doch gar nicht machen, oder?) hab ich keinen blassen Schimmer, was ich von dem ersten Absatz halten soll.

Da ich ACTA in dem Zusammenhang gar nicht erwähnt habe, weiß ich jetzt auch nicht, wie er ausgerechnet darauf kommt.  Vielleicht spioniert er in meinem Gehirn herum; wobei er dann wissen müsste, dass ich mich durch den ganzen grauenvoll formulierten Text gequält habe, nur um festzustellen, dass außer “Klauen ist böse! Pfui!” nicht viel Wesentliches drinsteht – sieht man von den rechtlichen Grundlagen ab, die unter anderem Internetprovider unter Druck setzen, die Verbindungsdaten ihrer Kunden zu überwachen, Verdachtsmoment oder nicht, und die eigentlich in gar keinem Zusammenhang mit Anti-Produktpiraterie-Gesetzen stehen, um die es angeblich vordergründig gehen soll. Aha.

Wie dem auch sei, ich bleibe dabei, dieser Mann ist nicht kritikfähig, auch wenn er im Header seines Blogs noch vollmundig tönt:

 

Seid gegrüßt, liebe Freunde und Fans – aber auch ihr erbarmungslosen Kritiker und Feinde. Schauet rein und lobet mich, oder schießet mich auf’n Mond – möget und schätzet meine Werke oder bindet mich auf den Scheiterhaufen. Hauptsache: Fair! Egal wie, ich werde mein Haupt neigen vor euch … mitunter, um besser zu sehen auf welch’ Schusters Rappen ihr denn so daher kommt. Willkommen! Schau rein und urteile fein – oder lies und schieß!

 

…jjjja. Genau das wollte er damit sagen. Oder auch nicht. Weiß der Teufel. Ich geh jetzt schlafen.

 

 

-Ricarda

 

 

Anmerkung: Interessant find ich übrigens, dass John Asht selbst seine Anschrift erst seit ein paar Tagen auf seiner Seite publik gemacht hat; und hierbei handelt es sich auch bloß um eine Postfachadresse. Soviel zum Thema “sich hinter einem Netzpseudonym verstecken”…

 

 

[In short: Remember John Asht, the guy who acts like a ten-year-old who is told that his drawings look crappy while he thinks he’s the next Leonardo da Vinci? I emailed him, he emailed back, and I proudly stand by it: That guy seems to have the mental and emotional maturity of said ten-year-old. His answers to a page-long email detailing why I think he’s wrong with some of his statements (huge understatement here) roughly equal “Who let you out of the nuthouse?”. Sounds like someone needs professional help here…]

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3 responses »

  1. Mhm…ich muss sagen, seine Antwort überfordert mich ein bisschen. Vergleicht er dich mit einer Farbe, die von einer Blume “entlassen” wird? Nur so ergibt sein Bezug auf die Frage vorher (die ich, wie du, eher als Beleidigung aufgefasst hätte) überhaupt Sinn…wenn man das so nennen möchte. Also vielleicht hat er dir sogar ein sehr verschachteltes Kompliment gemacht: “Du bist wie die Farbe einer Blume, welche die Welt, neben Duft und Insektenlockhormonen, bereichert”.

    ACTA kommt wirklich total aus dem Nichts. Wie schon Gordon Allport vermutete, sind Vorurteile umso schlimmer, je unzusammenhängender sie im Gespräch hervorbrechen. Ashts Vorurteile gegen seine Kritiker müssen also so schlimm sein, dass er dir Unwissen bei einem Thema attestiert, das du vorher gar nicht angesprochen hast.

    Mhm, es reift grade die Idee für ein eigenes kleines Experiment. Mal schauen…

    Ansonsten danke dir, dass du uns daran hast teilhaben lassen. Schade, dass der gute John nur mit seinen Fans schreibt. Aber alles andere würde ja auch das eigene Ego gefährden.

    • Ich bin eine Farbe, die die Welt bereichert… das gefällt mir schon fast :D

      Und auf das Experiment wär ich ja mal gespannt ;)

      Abgesehen davon: Sollte ich jemals auch nur entfernt so werden wie dieser Kerl, bitte ich offiziell darum, mir kräftig eine runterzuhauen und mir diesen Emailwechsel zur Klärung meines dann vermutlich arg verwirrten Geistes zu zeigen.
      Klassischer Fall von “so will ich niemals enden”…

  2. Dann nimm es als Kompliment! Und streich am Besten das mit den Insektenlockhormonen, dann klingt es runder ;).

    Ich glaube nicht, dass du jemals so endest, aber im unwahrscheinlichen Fall werde dich daran erinnern. Und auch wenn ich finde, dass Frauen grundsätzlich nicht geschlagen werden sollten, eine Jane Asht hätte wenigstens eine saftige Ohrfeige verdient.

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