Faschingspanik

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Dieses Wochenende ist es wieder soweit. Nach dem Valentinstag mit fetten Engeln und überteuerten kenianischen Rosen, von denen ich mangels Freund sowieso nichts hätte (außerdem ist mir Schokolade sowieso lieber), naht jetzt das neue Grauen. Es ist Karneval, und da ich das unbeschreibliche Glück habe, aus dem schönen Rheinland zu stammen und zumindest für weitere vier Wochen auch hier festsitze, kann ich mich nichtmal in meine schöne, ruhige Hildesheimer Wohnung verkrümeln, die Decke über den Kopf ziehen und die Fastnacht Fastnacht sein lassen.

Stattdessen arbeite ich über Fasching und hocke auch noch mitten in einer Stadt, in der von Altweiberfastnacht bis Aschermittwoch gefühlte 50% aller Einwohner über 15 sturzbetrunken (und daneben äußert geschmacklos gekleidet) sind. Der Rest muss entweder fahren oder ist schon scheintot und nimmt deshalb nicht an diesem absurden Treiben teil.

Oder gehört, wie ich, zu jenem anscheinend winzigen Teil der Bevölkerung, der mit dem närrischen Mumpitz nichts anfangen kann, Kostüme und Büttenreden verabscheut und über Clowns nicht lacht, sondern sich einstweilige Verfügungen einhandelt, weil man die Typen mit den roten Nasen aus verdrehter Paranoia heraus heimtückisch von hinten niederschlägt, um ihre teuflischen Kräfte zu bannen.

(Nicht lachen; ich hab damals mit 12, 13 Jahren Stephen Kings ES gelesen und seitdem hat sich meine anfängliche Abneigung gegen Clowns in eine Höllenpanik verwandelt. Die Supernatural-Folge mit den mordenden Pappnasen war da auch nicht hilfreich.)

Und so sehe ich dieses Jahr dem Karneval mit noch weniger Sympathie entgegen als sonst. Erstens darf man sich bei uns in der Innenstadt nicht mehr vor (!) dem Gebäude meiner alten Schule auf der Straße treffen, da laufen jetzt die Schießhunde vom Ordnungsamt streife (nix gegen das Ordnungsamt, aber diese Anordnung ist mehr als lächerlich). Zweitens sind sämtliche Glasflaschen in der gesamten Innenstadt verboten (ist angeblich sicherer und sauberer; wobei man sich auch an Dosen fürchterlich schneiden kann und die noch viel lieber durch die Gegend geschmissen werden – auch voll). Und drittens versucht die Stadt mit aller Gewalt, uns in einem Konstrukt namens „Der Käfig“ zusammenzutreiben. Da drin sind die Getränke noch viel teurer als in den umliegenden Kneipen, und um überhaupt reinzukommen, muss ich vorher nochmal extra bezahlen. Außerdem ist die Musik da drin auch nicht besser, und auf eine Legion Mitvierziger, die sich nur in Rudeln mit passenden Kostümen fortbewegen und sich benehmen wie infantile Zwanzigjährige, wobei sich die weiblichen Vertreter dieser Art nach ein paar Stunden stramm in Richtung abgehalfterte Hafennutte bewegen und ihre männlichen Begleiter in ähnlich erbärmlichen Zustand sind, kann ich wirklich verzichten.

Ich verstehe auch ehrlich gesagt die Motivation hinter dem ganzen nicht. Feiern kann ich heutzutage jedes Wochenende (ich wohn in einer Unistadt, da gilt das eigentlich sogar für jeden Tag), schlechte Musik wird auch besoffen nicht besser, und die meisten Kostüme, die nach was aussehen, sind für das derzeitige Wetter nicht wirklich geeignet. Weswegen die meisten der verruchten Nonnen und Teufelchen in Netzstrumpfhosen am Mittwoch mit beginnender Lungenentzündung beim Hausarzt auftauchen. Wenn sie nicht sowieso mit einem ausgewachsenen Tripper ihren Gynäkologen aufsuchen. Ich frage mich jedes Mal wieder, wie diese Weibsen darauf kommen, dass es eine regelrecht brillante Idee ist, wenn man bei Minusgraden mit Minirock und Highheels durch den Schneematsch stöckelt. Wenn ich mich morgens vor dem Kleiderschrank nicht bremsen kann, dann zieh ich wenigstens Strumpfhosen und Stiefel an und kröne die Sache nicht einem Lacktop, das mir drei Nummern zu klein ist. Gut, auch deshalb nicht, weil ich das erwähnte Top mal in die Altkleider getan hab, weil’s mir wirklich nicht mehr gepasst hat. Aber hier geht’s ums Prinzip.

Alles in allem ist Karneval wirklich nicht meine liebste Zeit des Jahres. Weshalb ich an diesem Wochenende die Öffentlich-Rechtlichen und ihre in Dauerschleife gesendeten Kappensitzungen und Umzugsübertragungen boykottieren und mir stattdessen ein 100%iges Fangirl-Wochenende mit Popcorn, Limo und einem Sherlock-Marathon gönnen werde. Mit ein bisschen Doctor Who als Nachtisch.

 

In völlig anderem Zusammenhang möchte ich mal eben mit meinem Wordcount für „60 day/60k“ angeben: 16,530 Wörter heute früh um elf – halb durch und ich hänge noch nicht zurück. Fühlt sich gut an :D

Ich zähle da jetzt einfach mal alles, was ich auf der Arbeit schreibe, da ich abends ohnehin nicht groß zum Schreiben komme. Ist zwar größtenteils journalistische Schreibe, aber mir reicht das.

Yay unnützes Wissen: Die Fingerlänge von Männern gibt Aufschluss über deren Männlichkeit. Nicht diese Männlichkeit, ihr Ferkel! Gemeint ist die maskuline Ausstrahlung der Gesichtszüge. Angeblich kann man schon bei Jungen ablesen, wie schnieke sie später mal ausschauen, und ob sie in Sachen Männlichkeit Harrison Ford und Vin Diesel Konkurrenz machen können.

Behaupten jedenfalls die Forscher.

Nachgeprüft hab ich das jetzt aber noch nicht.

 

 

Could someone slaughter the clowns, please?

 

So, basically, the above is a page-long rant about how I dread the upcoming weekend. After Valentine’s Day, which resulted again in absolutely nothing for me (thanks to lack of boyfriend; not that I care much about Valentine’s Day anyway), there’s the next weird celebration ahead: Germany’s beloved Fasching. It’s kind of like Mardi Gras: Everyone who can gets drunk, people hug each other and snog complete strangers and act generally childish, adults and teenagers alike.

And I. Hate. It.

Unfortunately, I’m stuck in a town which utterly loves celebrating Fasching. So I have to put up with drunken calls from friends (which happens all around the year but seems to double on occasions like this), being the designated driver for my little brother (who is away this year, THANK GOD; I love him dearly, but driving him and his friends around in silly costumes really gets on my nerves), and finally: clowns. I never liked them as a child, and after reading Stephen King’s IT, it all got downhill from there. If I see one, I start a discreet fallback. If they try to make fun of me (or even around me), I have a hard time not to smack them. And if they even try to hug me – may the Lord have mercy with your red-nosed soul…

So my Fasching weekend will mainly consist of popcorn, soda and a Sherlock marathon. Drooling over Benedict Cumberbatch kind of helps^^

 

Anyway, I’ve also got an update on the 60 day/60k challenge. 16.530 words so far – thankfully, I have to write a lot at work, and since I don’t have much time to write in the evening, either, I’ll just count that as part of the challenge. It’s journalistic writing, but hey, close enough.

 

-Ricarda

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3 responses »

  1. *dir Schokolade reich* Ich arbeite auf eine Stellung als dein virtueller Nahrungsversorger hin. Zumindest für Süßigkeiten.

    Fasching… früher in der Schule war ich immer als Geist verkleidet. Anscheinend kam schon da mein Wunsch durch, an diesem Tag lieber Tod zu sein, als mitzumachen. Es ist einfach…ich mein…warum? Aber da habe ich deinen Ausführungen wenig hinzuzufügen.

    Clowns…tja, Clowns. Mein Vater ist ein leidenschaftlicher Zirkusgänger und als Kind war ich ab und an dabei. Eigentlich hätte ich Clowns dadurch schätzen lernen sollen, aber wenn man weiter vorne sitzt sind diese Gesellen, besonders im Zirkus, eher unangenehm. Ich kann nicht sagen, dass sie mich in Panik versetzen, aber ich verbinde auch nichts positives mit ihnen. Erst recht kein Lachen und keine Freude, was sie ja eigentlich auslösen sollten. Wobei ich nie verstanden habe, warum ES grade ein Clown sein musste.

    Zu der Fingergeschichte: Ist das zufällig das 2D:4D Fingerverhältnis? Also,was die Länge von Zeige- und Ringfinger aussagt? Demnach haben Menschen, deren Ringfinger länger ist als ihr Zeigefinger mehr Testosteron.
    Ich durfte mich im Rahmen meines Studiums mal näher damit befassen und bisher widerspricht sich da die Fachwelt. Bei mir persönlich ist es sogar an beiden Händern verschieden (und nein, ich fühl mich ganz wohl in meinem männlichen Körper *g*). Allerdings habe ich, glaube ich, keine ausgeprägt männlichen Gesichtszüge, also wer weiß? Ein bisschen weniger Testosteron schadet aber auch nicht. Ist ein Teufelszeug.

    Und noch eine Frage: Was arbeitest du denn momentan im Faschingskontaminationszentrum?

  2. *Schokolade mampf* Sobald ich mir Angestellte leisten kann, hast du ein Jobangebot auf dem Tisch^^

    Das mit den Fingerlängen ist eh Voodoo; ich kenn keinen, der nur längere Zeigefinger hat oder andersrum. Aber was weiß ich schon, ich hab ja weder einen Doktortitel noch Millionen an Forschungsgeldern… Das Müsliexperiment will ja keiner finanzieren. Dabei wäre es essentiell für die menschliche Rasse herauszufinden, warum Müsli und Cornflakes mitten in der Nacht so verteufelt gut schmecken!

    “Arbeiten” ist fast zu viel gesagt. Ich mache ein Praktikum in einem kleinen Zeitschriftenverlag, wo ich mehrheitlich schlecht formulierte Pressemeldungen in etwas besser formulierte Veranstaltungsmeldungen umschreibe und gelegentlich zu einem Presseauftrieb flitze, um Häppchen zu futtern und schlechte Fotos zu machen (ich kann’s halt einfach nicht besser…).

  3. Ach, ich mach das auch gern ehrenamtlich. Bin ja quasi schon dabei ;).

    Mhm…sollte ich mal mit irgendwas so viel Geld verdienen das Müsli-Experiment zu finanzieren, dann kannst du auf meine Unterstützung zählen. Und mehr Sinn als Fingerlängenmessungen sehe ich allemal darin.

    Ich wünsch dir viel Erfolg bei deinem Praktikum. Und versuch keine Clowns zu erschießen.

    Und eine Sache hatte ich noch vergessen (die sich mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch gut verbinden lässt): *dir eine Schüssel mit Pudding und zerkrümelten Schokokeksen reich* – Für weitere 43.470 Wörter. Die schreibst du mit links (oder rechts oder per Tastatur)!

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